Chronik des ATSV Wattenheim

Der ATSV hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Hier finden sie alle Informationen von der Gründung 1884 über die Turnerfeste und Zusammenschluss aus ASV und TV bis heute.

Gründung

Der Turn- und Sportgedanke, der mit der Anlegung des ersten Turnplatzes 1911 in der Berliner Hasenheide durch den Begründer des deutschen Turnwesens, Friedrich Ludwig Jahn, in unserem Vaterland Fuß zu fassen begann, wurde zunächst in den größeren Städten verwirklicht. Erst viel später fand er auf dem Lande  seine Anhänger. Im Jahre 1884, für die Größe unseres Dorfes verhältnismäßig früh,war Wattenheim an der Reihe. Am 12. März 1884 fanden sich in der damaligen Wirtschaft von Michael Luy - heute Anwesen von Stephan Hofmann- 19 turnbegeisterte Wattenheimer Bürger zusammen, um einen Turnverein ins Leben zu rufen


Die Vorstandschaft wurde gebildet aus:

  • Michael Luy, Gastwirt, 1. Vorstand und Kassenführer
  • Adam Krein, Gemeindesekretär, Schriftwart
  • Nikolaus Christmann, Oekonom, 1. Turnwart
  • Konrad Christmann, 2. Turnwart 

Am 14.12.1884 wurde der neu gegründete Verein beim Pfälzer Turnerbund -Zehnter Kreis- angemeldet. Ab dem Jahre 1900 gehörte er dem Donnersberg-Leininger-Gau an. 

Vereinsleben bis 1914

Wie aus den Vereinsbüchern, die über die wechselvollen Zeiten alle erhalten geblieben und vorhanden sind, hervorgeht, fanden die Turnstunden zunächst im Gründungslokal statt. Später wurden sie im Sälchen von Balthasar Pfister abgehalten.  Eifriges Üben und strenge Vereinsdisziplin waren die Grundsätze dieser ersten Turngemeinde. So erfolgte bereits bei wiederholtem Versäumen der Turnstunden Ausschluss aus dem Verein. Mitglieder, die die Generalversammlungen nicht besuchten wurden mit 50 Pfg. Geldstrafe belegt. In den 30 Jahren, bis zum Ausbruch des 1, Weltkrieges, war die Turngemeinde immer sehr rege. Man kann den Turnverein „Gut Heil“ als den Träger des gesamten damaligen sportlichen und kulturellen Lebens in der Dorfgemeinschaft ansehen.


Neben den zahlreichen Turnfesten hielt man Vereinsbälle und  Fastnachtsveranstaltungen ab; man unternahm Wanderungen und Ausflüge. Eine rege Theaterabteilung, die jedes Jahr ein Laienspiel aufführte, sowie seit 1902 eine Gesangsabteilung, waren neben der Turnerriege vorhanden. Im Jahre 1898 rief man eine Musikabteilung ins Leben. Andreas Knoth aus Carlsberg, der Tambour beim kgl. 17. Infanterieregiment war, wurde in den Verein aufgenommen und übernahm die neu gegründete Abteilung. Von den zahlreichen Turnfesten, die man während dieser Zeit veranstaltete, seien nur das 1.Stiftungsfest 1885, sowie das 10-, 15- und  25jährige Vereinsjubiläum, die Fahnenweihe am 8.7.1888, die 50-Jahre-Gedächtnisfeier für Turnvater Jahn mit Fackelzug, Feuerwerk und turnerischen Vorführungen am 19.07.1902 und das Gauturnfest 1906 in Wattenheim erwähnt. Auch die zahlreichen Turnfeste in der näheren und weiteren Umgebung wurden daneben mit starken Abordnungen fleißig und immer erfolgreich besucht. Dies geschah entweder zu Fuß oder mit geschmückten Pferdefuhrwerken. Sogar zum Turnfest in Kaiserslautern im Jahre 1890 und zum Bezirksturnfest in Albisheim / Pfrimm 1891 marschierten die Turner und Turnfreunde gemeinsam. Da waren noch der rechte Turnergeist und Idealismus vorhanden.

Der Erste Weltkrieg

Als Kaiser Wilhelm II die jungen Männer zu den Fahnen rief, folgten auch die Turner begeistert diesem Ruf, um fürs Vaterland zu streiten. Getreu ihrem Eid leisteten sie ihre harte Pflicht imWeltkrieg 1914-1918; Gehorsam und flichterfüllung waren ihnen anerzogen. Von dem wenig über hundert Vereinsmitgliedern war die Hälfte zum Kriegsdienst eingezogen. Von ihnen mussten 10 an der Front ihr  

Leben lassen, oder starben an den Folgen von Verwundungen Zu Ihrem Gedenken wurde am 15.7.1922 vom Verein eine Gedenktafel errichtet.Die daheim hatten ihre Söhne und Brüder im Felde nicht vergessen. Der Turnverein sandte Päckchen an seine Mitglieder im Felde und unterstützte die Angehörigen von Gefallenen. Daneben zeichnete man 3 000 Mark Kriegsanleihe und stiftete 200 Mark für das Rote Kreuz. Der Turnbetrieb war während der Kriegsjahre weitgehend zum Erliegen gekommen.  

Die Zeit von 1919 bis 1939

Einige Jahre nach dem 1. Weltkrieg konnte der Verein an seine früheren Leistungen wieder anknüpfen und diese später sogar noch übertreffen. Besonders die Alten waren es, die sich bemühten den rechten Turnergeist wieder aufleben zu lassen. Schon bald hatte sich eine ansehnliche Turnerschar zusammen gefunden und ganz gleich, wo innerhalb des Donnersberg-Leininger-Gaues ein Turnfest stattfand, waren Wattenheimer Turner vertreten und konnten regelmäßig Preise erringen. Beim 14. dt. Turnfest in Köln, im Jahre 1928, turnten 4 Wattenheimer in der Gauriege mit, die damals sehr guten Erfolg hatte. Am 15. dt. Turnfest in Stuttgart 1933 beteiligte man sich erfolgreich mit einer Vereinsriege. Innerhalb des kulturellen dörflichen Lebens spielte der Turnverein “Gut Heil” wie früher eine hervorragende Rolle. Neben einer starken  Turnerriege, gab es wieder eine Laienspielgruppe und ein Trommler- und Pfeiferkorps. An Veranstaltungen anderer örtlicher Vereine, sowie bei Waldfest und Kirchweih beteiligte man sich oft mit turnerischen Darbietungen. Der Turnverein selbst feierte in diesen Jahren u.a. sein 40- und 50jähriges Stiftungsfest, sowie eine Jahnfeier im Jahre 1929. Daneben sind die alljährlichen Abturnen (öffentliche Demonstration der Leistungsfähigkeit), Familienabende und Götzwanderungen am Himmelfahrtstag zu nennen. Das große Interesse an Turnen und Leichtathletik geht auch daraus hervor, dass zu dieser Zeit eine Alters-, Aktiven-, Damen und Jugendriege bestanden.  


Neben dem Geräteturnen erlangte das volkstümliche Turnen, die Leichtathletik, immer mehr Geltung. Besonders beliebt waren die Frühjahrs- und Herbstwaldläufe, bei denen im Mannschaftslauf der Älteren mehrere Male (1928,1929 und 1930) die Gaumeisterschaft errungen wurde. Neben den turnerischen und sportlichen Erfolgen, ist als besondere Leistung der Bau der Turnhalle in den Jahren 1930/1931 hervorzuheben.

Der Zweite Weltkrieg

Durch den Ausbruch des zweiten Weltkrieges und seine Folgen wurde der Turnverein wiederum hart betroffen. Wieder mussten viele Vereinsmitglieder in den Krieg ziehen, von denen 36 ihre Heimat nicht wieder sahen. Sie starben auf den Schlachtfeldern des erbarmungslosen Krieges oder teilten das ungewisse Schicksal des Vermisstseins. Die Turnerei und Leichtathletik wurden bereits 1940 kaum noch betrieben, um dann ganz zum Erliegen zu kommen. Die Turnhalle diente zeitweise als Gefangenen-, Getreide- und Papierlager.

Nachkriegszeit und Wiederbeginn

Nach dem Zusammenbruch konnte der Turnbetrieb zunächst nicht wieder aufgenommen werden. Die Militärregierung hatte den Turnverein „Gut Heil“ verboten und die Turnhalle beschlagnahmt. Die Turngeräte waren zerstört oder nicht mehr auffindbar. Deshalb gründete man 1946 einen neuen Verein, den Allgemeinen Sportverein, der sich ausschließlich mit Fußballspielen befasste. Am 3. März 1951 erfolgte der Zusammenschluss des ASV und des TV Gut Heil, unter dem heutigen Namen. Die größten Anstrengungen wurden zunächst zur Freigabe der noch immer beschlagnahmten Turnhalle gemacht, was auch erreicht werden konnte. Dagegen war den intensiven Bemühungen den Turnbetrieb wieder in Gang zu bringen lange Zeit kein Erfolg beschieden. Dann ist es doch gelungen eine Knaben- und eine Mädchenturnabteilung zu bilden. Dem allgemeinen Trend folgend, nahm die Fußballabteilung eine gute Entwicklung. Es bestanden eine 1. und 2. Mannschaft, sowie eine Jugendmannschaft. Am 25. und 26. Juli 1959 feierte man in festlichem Rahmen das 75jährige Vereinsjubiläum, mit Weihe der restaurierten Vereinsfahne. Aus Anlass dieser Feier veranstaltete der Rhein-Limburggau des Pfälzer Turnerbundes, dank der Initiative des damaligen Vorsitzenden Otto Schick, in Wattenheim sein 1. Bergturnfest für den Donnersberg-Leininger-Gau. Es wurde dann in der Folgezeit jedes Jahr hier abgehalten, letztmals im  Jahr 1997. Das Bergturnfest und das Angebot des Vereins zum Erwerb des deutschen Sportabzeichens verhalfen der Leichtathletik wieder zu einer gewissen Geltung.


Im Übrigen konzentrierte sich das sportliche Geschehen auf den Trendsport Fußball. Der Fußballplatz wurde 1973/74 von der Gemeinde, als Hartplatz, bei der Turnhalle - am jetzigen Standort - gebaut. Der Verein selbst errichtete 1978-1981 den Gaststättenanbau, mit Sanitär- und sonstigen Räumen. Darüber enthält diese Festschrift eigene Abhandlungen.

Die Zeit von 1984 bis zum neuen Jahrtausend

Seit der Begehung des 100-jährigen Vereinsjubiläums sind nun wieder 25 ereignisreiche Jahre verflossen. Die Festtage vom 15. bis 18. Juni l984 wurden dem Anlass entsprechend feierlich begangen und waren gleichzeitig der Auftakt zu einem  überaus erfolgreichen Viertel-Jahrhundert der Vereinsgeschichte. Die bestehenden Abteilungen erlebten einen enormen Aufschwung und darüber hinaus konnte die Angebotspalette der sportlichen Möglichkeiten erweitert werden, wie durch den Kampfsport Kickboxen, die Möglichkeit des Erwerbs von Bootsführerscheinen, sowie Tischtennis, Gymnastik und Aerobic. Dies wiederum führte u.a. zu einem enormen Mitgliederzuwachs von etwa 300 auf knapp 1.000 Mitglieder. Damit, insbesondere aber mit der Leistungsstärke seiner Sportlerinnen und Sportler, kann sich der Verein mit manchem städtischen Club messen.Mit Stolz und Freude können unsere treuen Mitglieder auf die im Interesse der Allgemeinheit geleistete Vereinsarbeit zurückblicken. Dank gebührt allen denen, die in ehrenamtlicher Weise Verantwortung übernommen haben, insbesondere den Vorsitzenden mit ihren jeweiligen Stellvertretern, den Ausschuss- und Beiratsmitgliedern, aber nicht zuletzt den Abteilungsleitern/innen, Trainern und denen, die ihnen helfend zur Seite standen. Es konnten in der Tat bemerkenswerte Erfolge, auch auf überregionaler Ebene, erzielt werden. Voraussetzung hierfür waren nicht nur gute Übungsleiter, Trainingsfleiß und Leistungsbereitschaft der Sportler, sondern auch die weitgehend in ehrenamtlicher Leistung, mit Blick auf die Zukunft, erfolgten vielfältigen baulichen Maßnahmen. Die Vereinsführung hat vorausschauend und zweckdienlich gehandelt.Waren es in den 9oer Jahren die Kickboxer, so ist es in den jüngst verflossenen Jahren bis gegenwärtig die Fußballabteilung, die für Spannung sorgt.

Die 2000er

Seit dem Jahr 2000 ist im Fußballsport eine neue Ära angebrochen, durch den Vereinsbeitritt von Nationalspieler Mario Basler, Neubürger von Wattenheim und Präsident des ATSV. Sensationell die sportliche Leistung unserer 1. Mannschaft! Ihr gelang nach dem Aufstieg in die Kreisliga 1996 innerhalb von nur 4 Jahren, über die Bezirksklasse und Bezirksliga, der Aufstieg in die Landesliga, wo sie aktuell einen der vorderen Tabellenplätze einnimmt. Daneben bestehen eine 2. Mannschaft, Jugendmannschaften und eine „Bambinimannschaft“. Auch sie glänzen mit guten Leistungen und Erfolgen. Eine besondere Erwähnung hat unsere Alte-Herren-Mannschaft verdient, als sehr reges und erfolgreiches Team. Zu ihren glänzenden Siegen zählt auch die Erringung der Kreis-, Bezirks- und Pfalzmeisterschaft 1996. Eine weitere Säule im Sportbetrieb bildet unsere Damen-Turnabteilung mit ihren vielfältigen gymnastischen Angeboten, die sich durch Aktivität und Kreativität auszeichnet.Ihre Mitwirkung ist nicht nur bei Veranstaltungen örtlicher Vereine gefragt, sondern sie nehmen auch, mit meist großen Abordnungen, an Großveranstaltungen teil, wie beispielsweise am deutschen Turnfest in München. Außer den verschiedenen Varianten der Gymnastik für Damen aller Altersgruppen, wird ein Fitnessprogramm für Männer über 40 angeboten; desgleichen finden Turnstunden für Kinder und Jugendliche statt.Herausragend die Entwicklung unserer Karate-Kickboxabteilung mit ihren überraschenden Erfolgen. Sie stellten Welt- Europa- und deutsche Meister. In den Ranglisten nahmen die Kämpferinnen und Kämpfer alljährlich vordere Plätze ein. Nachdem sie mit ihren Leistungen im Jahr 1995 an der Spitze aller Kampfsport treibenden Vereine Deutschlands standen, verlieh ihnen der deutsche Judoverband den Titel der besten und erfolgreichsten Schule Deutschlands, den sie über Jahre hinweg verteidigen konnten. Neben Sportveranstaltungen entfaltete der Verein diverse andere Aktivitäten. Dazu gehören u.a. das traditionelle Haxenfest, Meisterschaftsfeiern, Jubiläumsfeiern, Weihnachtsfeiern, Fastnachtsveranstaltungen, Wanderungen, Ausflüge und Reisen (insbesondere im Rahmen der Seniorenbetreuung), sowie die Mitgestaltung der Kerwe, des Festes der Vereine und des Stabausumzuges. Dazu kommen gesellige Veranstaltungen innerhalb der Abteilungen.Erwähnenswert das am 06.05.2007 hier stattgefundene Integrationsfest auf Kreisebene, wodurch die Bemühungen des ATSV anerkannt wurden. Zu den ganz besonderen Höhepunkten zählen die beiden Spiele unserer 1. Mannschaft gegen den FCK, die nicht nur jeweils 2500 Zuschauer anlockten, sondern auch einen erheblichen Gewinn für die Vereinskasse abwarfen. Dazu gehören auch die Spiele gegen die U-18-Nationalmannschaft des Partnerlandes von Rheinland-Pfalz, Ruanda; sowie das Spiel unserer AH-Mannschaft gegen die Traditionself des FCK. Hier zu erwähnen ist, dass im Verein auch die Möglichkeit des Erwerbs des deutschen Sportabzeichens geboten wird. Im Jahre 1984 wurde der ATSV, mit der vom Bundespräsidenten gestifteten Plakette, für Verdienste um die Entwicklung und Pflege des Sports ausgezeichnet.